- XPEH
Article
10:26, 02.04.2025

Im März reiste ich nach Lissabon zum BLAST Open 2025 Turnier für Counter-Strike 2. Das Turnier war groß, prestigeträchtig und mit einer erstklassigen Teilnehmerliste. Aus technischer Sicht sah alles hervorragend aus — Bühne, Sound, Produktion, Übertragung, Gestaltung — es gab keine Fragen zu den Matches und deren Durchführung. Aber wenn man es breiter betrachtet — als Event für Fans, als Show — war alles viel bescheidener, als man es sich gewünscht hätte.
Lisbon vibes 😍 pic.twitter.com/cA95gObRsc
— CS2.bo3.gg (@CS2_bo3gg) March 29, 2025
Teilnehmer und Atmosphäre — nur für Insider
Das Wichtigste, was bei solchen Events ins Auge fällt, ist, wer dort hinkommt. Und bei BLAST war es genau der Kern der CS-Community. Ein sehr spezialisiertes Publikum: Entweder bist du ein Fan der Disziplin oder ein Fan eines bestimmten Teams. Es gab kaum zufällige Besucher, Neulinge oder solche, die einfach nur wegen der Atmosphäre gekommen sind. Das war nicht wie bei den Worlds für League of Legends, wo man die Masse und Festlichkeit spürte. Hier war alles streng, fast sportlich.
Die Stimmung erinnerte eher an ein Fußballspiel. Besonders fühlte man das wegen des Verhaltens des Publikums. Die Fans von Vitality veranstalteten eine echte Performance: Trommeln, Lieder, Gesänge, gelbe T-Shirts — eine echte organisierte Unterstützung. Im Vergleich dazu wirkte alles andere blass. Die Deutschen wurden kaum unterstützt, und Spirit wurde ausgebuht. Und das sehr aktiv. Selbst als Na'Vi bereits ausgeschieden waren, änderte sich die Haltung gegenüber Spirit nicht — es war eine deutliche Antipathie seitens des Publikums, und gefühlt war sie durchaus bewusst. Kein Mitleid, keine Zufälligkeit — sie wurden einfach nicht erwartet, und man wollte sie dort nicht.
Flaggen verboten — Sterilität beim Eintritt
Am Eingang zur Arena hing eine klare Regel: Flaggen der Länder sind verboten. Das war kein Zufall. Angesichts der vielen Ukrainer in Portugal und der vielen Russen beim Turnier entschieden sich die Organisatoren, jegliche nationale Symbolik zu entfernen, um Konflikte zu vermeiden. Angesichts der Teilnahme von Spirit und Na'Vi in den Playoffs ein logischer Schritt, aber ehrlich gesagt, hat das den visuellen Teil stark beeinträchtigt.
Normalerweise fügen Flaggen, Banner und Schals dem Turniergeist, dem visuellen Lärm und dem Gefühl echter Fanunterstützung hinzu. Hier wirkte alles irgendwie trocken. Es sah aus wie ein normales Spiel in einer großen Halle — nur mit Rufen, ohne Farbe. Vitality hat die Atmosphäre etwas gerettet, aber insgesamt fühlte sich die Arena eher wie ein Stadion als eine Show-Bühne an.
Unterhaltung — auf Null (wenn man die Cases auf dem Bildschirm nicht zählt)
Aus Sicht des Fan-Erlebnisses — es gab fast nichts. Keine Stände mit Geräten, keine Fan-Zone, keine Fotozonen, keine Autogrammstunden. Ein kleiner Stand mit BLAST-Merch — und das war's. Sogar ein Souvenir zu kaufen war fast unmöglich. Willst du eine Maus? Kopfhörer? Oder wenigstens einen Aufkleber? Vergiss es.
Das Einzige, was das Publikum während der Pausen wirklich "unterhielt", war, dass auf den Bildschirmen Zuschauer gezeigt wurden, die Cases auf ihren Laptops oder Tablets öffneten. Der Zuschauer öffnet einen Case, ein Skin erscheint — das Publikum schreit. Das war im Grunde der einzige Moment der Interaktion zwischen dem Publikum und der Bühne. Alles andere — Stille und Warten auf die nächste Runde.
Ehrlich gesagt, sah das alles eher wie eine zufällige Improvisation des Übertragungsregisseurs aus, als wie ein geplanter Teil der Show.
Essen, Raucherecken und sonstiger "Service"
Mit dem Essen — Grundniveau. Die Auswahl war klein: Hotdogs und Burger. Und das war kaum essbar — der Geschmack war schrecklich. Den Hotdog konnte man direkt in den Mülleimer werfen. Angesichts der Ticketpreise und des Eventniveaus hätte man zumindest normales Fast Food erwartet.
Auch die rauchenden Zuschauer waren nicht besonders erfreut: Der Ausgang ins Freie war durch kleine abgegrenzte Zonen organisiert, in denen alle dicht gedrängt standen, wie Heringe in der Dose. Platz war absolut nicht vorhanden. Es schien, als hätte niemand daran gedacht, dass auf einem CS-Turnier überhaupt jemand rauchen könnte.
Matches — tadellos, aber die Show nicht
Was man definitiv loben kann, sind die Matches selbst. Produktion, Sound, Bühne, Kamera, Grafik — alles sah kraftvoll und teuer aus. Feurige Blitze bei Bombenexplosionen, Nahaufnahmen von Spielern, Dynamik in der Übertragung — hier war alles tadellos. Man sieht, dass das BLAST-Team weiß, wie man E-Sport auf dem Bildschirm macht.
Aber live, abgesehen vom Spiel selbst, fehlte die Show, alles war streng, sachlich, ohne Theater.
Gesamteindruck — gut, aber nicht wow
Zu sagen, dass das Turnier schlecht war — kann man nicht. Alles funktionierte. Die Spiele waren spektakulär, die Organisation sachlich. Aber als Event, als Erlebnis — das war zu wenig. Keine Atmosphäre, keine Überraschungen, kein Gefühl von "das war etwas".
Wenn man vergleicht:
• Worlds für LoL in London — das war eine echte Show, ein Fest, bei dem man sich als Teil von etwas Großem fühlt.
• The International für Dota 2 — etwas bescheidener, aber mit Seele und einer charakteristischen Atmosphäre.
• BLAST in Lissabon — qualitativ, aber trocken. Ohne Emotionen, ohne Eintauchen.
Kommende Top Spiele
Kommentare